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Sofagast Otto Modersohn

Nach Hans am Ende lädt sich nun Otto Modersohn als Sofagast zu Dir nach Hause ein. Ganz schön frech, meinst Du? Na immerhin haut Modersohn im entscheidenden Moment mit der Faust auf den Tisch, aber lies selbst:

»[…] fort mit den Akademien, nieder mit den Professoren und Lehrern, die Natur ist unsere Lehrerin und danach müssen wir handeln.«


Otto Modersohn 1889 in seinem Tagebuch über die Geburtsstunde der Künstlerkolonie Worpswede
Das Gemälde Sonniger Herbsttag von Otto Modersohn gehört zu den Highlights aus der Sammlung der Worpsweder Kunsthalle.
Otto Modersohn (1865–1943), Sonniger Herbsttag, um 1898, Öl auf Leinwand, 73 x 57 cm, Worpsweder Kunststiftung Friedrich Netzel, Foto: © Rüdiger Lubricht/ Worpsweder Museumsverbund

Der Aufschrei Otto Modersohns (1865–1943) im Sommer 1889 soll alles verändern! Er spricht aus, was Fritz Mackensen und Hans am Ende fühlen. Der Grundstein einer neuen Künstlerkolonie nach dem Vorbild von Barbizon ist gelegt. Während Hans am Ende für das Licht in seiner Malerei bekannt ist, stehen bei Otto Modersohn die Farben im Vordergrund. Er gilt unter den Worpsweder Künstlern als großer Kolorist mit ausgesprochenem Farbsinn. Seine Palette erfährt in Worpswede – angeregt durch die besondere Natur – einen Wandel hin zu erdgebundenen Tönen.

Während in den Städten, wie im nahegelegenen Bremen, bereits die Industrie boomt und die ersten Maschinen den Alltag der Menschen radikal verändern und beschleunigen, haben die Einwohner Worpswedes ganz andere Sorgen. Die verarmte Landbevölkerung arbeitet im Torfabbau, eine der körperlich härtesten Tätigkeiten zur damaligen Zeit. Eine landwirtschaftliche Nutzung der sauren Moorböden ist nur eingeschränkt möglich. Wer besser situiert ist, kann sich Schafe leisten. Aus heutiger Sicht hat Modersohns Gemälde etwas Entschleunigendes – ja fast schon Meditatives, wie die junge Frau den Tieren am Ufer des Torfkanals beim Grasen zuschaut. Und noch heute ist die Entschleunigung durch die scheinbare Idylle der Worpsweder Natur deutlich spürbar.

Wo findest Du weitere Werke von Otto Modersohn?

Mit 19 Gemälden ist Otto Modersohn unter den Künstlern der Gründergeneration am Stärksten in der Sammlung der Worpsweder Kunsthalle vertreten. Darüber hinaus verfügt auch die Große Kunstschau Worpswede über mehrere Gemälde des Künstlers, die zum Teil auch in der Dauerausstellung zu sehen sind. Und wenn Dir das noch nicht ausreicht, dann findet Du die umfangreichste Sammlung im Otto-Modersohn-Museum in Fischerhude.

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