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Sofagast Heinrich Vogeler

Nach Mackensen, Modersohn und am Ende darfst Du nun Platz für Heinrich Vogeler auf Deiner Couch machen. Er kommt 1894 als letzter der Gründer nach Worpswede und macht ein reetgedecktes Rauchhaus mit Flett, den späteren Barkenhoff, zu seinem Domizil. Sein Barkenhoff ist ein kultureller Dreh- und Angelpunkt in Worpswede – und auch in Deutschland. Hier finden um 1900 regelmäßige Treffen von Künstlern, Literaten und Musikern im sogenannten weißen Saal statt. Sogar der Dichter Rainer Maria-Rilke nimmt längere Zeit daran teil.

Meine Hütte ist mein Alles.


Heinrich Vogeler, 1897 in einem Brief an Gerhart Hauptmann
Das berühmte Gemälde Sommerabend von Heinrich Vogeler zeigt die "Familie" auf dem Barkenhoff.
Heinrich Vogeler, Sommerabend (Das Konzert), 1905, Öl auf Leinwand, 175 x 306 cm, Bundesrepublik Deutschland, Land Niedersachsen, Kulturstiftung Landkreis Osterholz, Foto: © Worpsweder Museumsverbund

Hauptwerke des Jugendstils

1901 heiratet Vogeler die junge Martha Schröder. Auf zahlreichen Werken wie dem Sommerabend und dem Frühling hält er sie malerisch fest. Auf die jeweiligen Hauptwerke des einstigen Jugendstilkünstlers werden wir demnächst noch genauer eingehen. An dieser Stelle stehen sie exemplarisch für seinen Stil vor 1914.

Doch die einst glückliche Ehe, aus der drei Töchter hervorgehen, verläuft vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges längst nicht mehr harmonisch. 1909 verliebt sich Martha Vogeler in Ludwig Bäumer, einen gescheiterten Jurastudenten, der von nun an mit der Familie auf dem Barkenhoff lebt. Vogeler duldet seinen Konkurrenten. Allerdings scheint die häusliche Situation für den 42-jährigen so erdrückend zu sein, dass er sich 1914 freiwillig zum Kriegsdienst meldet.

Als der Künstler nach Kriegsende auf seinen Barkenhoff zurückkehrt, wendet er sich von seinem Frühwerk und der Idee des schönen Jugenstilensembles ab. Durch den Krieg verändert, ist Vogeler nun politisch und der Kommunismus nimmt einen entscheidenden Einfluss auf seine Kunst. Sehr deutlich wird dieser politische Wandel am Beispiel des Barkenhoff. Seine Hütte und sein Alles stellt er nun einer Kommune zur Verfügung. Der akkurat angelegte Künstlergarten muss einem Kartoffelacker, Tomatenterrassen, einer Tischlerei und Hühnern weichen.

Die Barkenhoff-Kommune als Zeit des Wandels

Die Gestaltung der Haare und des Gesichts ist bei diesem Porträt von Heinrich Vogeler sehr beeindruckend.
Heinrich Vogeler (1872–1942), Porträt Hilda Leonhardt, 1921, Öl auf Pappe, 40 x 28 cm, Worpsweder Kunststiftung Friedrich Netzel, Foto: © Rüdiger Lubricht/ Worpsweder Museumsverbund

Das Mädchenporträt zählt zu Vogelers schönsten Bildnissen. 1921 haben sein Werk und seine Malweise bereits einen Umbruch erfahren. Dargestellt ist Hilda Leonhardt aus Hamburg, die zur Zeit der Barkenhoff-Kommune auf Heinrich Vogelers Anwesen lebt und mit dem dortigen Tischler Alfred Lackeit befreundet ist. Leonhardt hilft der sogenannten Roten Marie, die mit der wirtschaftlichen und kaufmännischen Leitung der Kommune betraut ist. Die Revolutionärin, Anthroposophin und Dichterin Marie Griesebach (1896–1984) ist kurzzeitig Vogelers Lebensgefährtin und gründet im Sommer 1919 mit ihm zusammen die Barkenhoff-Kommune.

Was ist besonders?

Im Vergleich zum zarten lavierenden Pinselstrich der Porträts des Jugendstils arbeitet Vogeler bei diesem Bildnis mit harten Konturen und schnellen pastosen Pinselstrichen. Einzelne Farbschichten und die Pappe des Bildträgers scheinen stellenweise durch. Für die Haare des Mädchens verwendet er den Pinselstiel, um zusätzliche Strukturen zu modellieren. Schon die Maler der Renaissance wussten, dass sich ein helles Inkarnat (Hautton) nicht ausschließlich aus Rot, Gelb bzw. Ocker, Weiß und Schwarz zusammensetzt, sondern immer ein Olivton durchschimmert. Vogeler zeigt dies durch die grünen Schattierungen im Gesicht. Das Porträt ist eines von elf Gemälden aus der Sammlung der Worpsweder Kunsthalle. Zur Provenienz ist bekannt, dass das Werk über die Bielefelder Galerie Otto Fischer erworben wurde.

Das Bild zeigt eine Detailansicht eines Gemäldes von Heinrich Vogeler
Detailansicht der Haare
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